BEST OF VIENNA – Tipps

Café Weingartner

Goldschlagstraße 6
1150 Wien

Telefon: 985 21 50
Web: http://www.servus-in-wien.at/weingartner/
Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 9.30-12.30 Uhr

BEST OF VIENNA 2/2010 (Essen & Trinken)
Das Wiener Kaffeehaus ist Stadtkultur pur, die Melange plus Zeitung der Inbegriff urbaner Gemütlichkeit. Früher war es im Café noch üblich, auch tatsächlich eine ruhige Kugel zu schieben: und zwar mit dem Queue beim Billard. Das Café Weingartner nahe dem Westbahnhof ist eines der wenigen übriggebliebenen Altwiener Kaffeehäuser, in dem der Gast in die Blütezeit des Billardcafés, ins späte 19. Jahrhundert, eintauchen kann. Hier wird das Rauschen der Kaffeemaschine vom Klicken der Spielkugeln begleitet. Der längliche Lokalflügel mit drei Carambol-Tischen und breiter Spiegelwand hat sich seit 1873 kaum verändert – nur die Tische selbst sind etwas neueren Datums. „Früher hat noch jedes Kaffeehaus einen Billardtisch haben müssen“, sagt Heinrich Weingartner, Cafébesitzer und 15-facher Staatsmeister in der Billard-Disziplin Carambol. Bereits beim Grundriss vom Lokal berücksichtigten damals Kaffeesieder neben einem Zeitungsraum auch einen Salon für Billard. Im Café Niebauer in der Leopoldstadt wurde Weingartner 1950 auf Billard aufmerksam. Hier machte er seine Hausaufgaben mit Blick auf die Spieltische, um anderen beim Spielen zuzusehen. Mit 14 Jahren griff er dann selbst zum Queue und da der Vater im Café als Ober, die Mutter in der Küche arbeitete, durfte er gratis spielen. Der Effet stimmte, bald trainierte er mit den Besten der Stadt im Café Elsahof. Der Rest ist sportliche Erfolgsgeschichte – mit zahlreichen österreichischen Titeln und dem Europarekord in der Freien Partie. Heute trainiert Weingartner immer noch täglich. Dass ihm die Billardtradition am Herzen liegt, ist in seinem Café zu spüren. Die Spieltische glänzen, das grüne Filztuch ist fein gesäubert, jedes noch so kleine Utensil hat seinen Stammplatz. Ab den Fünfzigern half Weingartner, die durch die Weltkriege eingeschlafene Wiener Billardcafé-Szene wiederzubeleben. Er gründete nicht weniger als 20 Clubs, den ersten 1957 im Café Augarten bereits mit 17 Jahren. Mittlerweile ist Weingartner 70 Jahre alt. Die traditionellen Billardcafés verschwinden aus dem Stadtbild. Die Spieltische blieben abgedeckt in dunklen Hinterzimmern verborgen. Moderne Billardcafés wie die der Lokalkette Köö hält Weingartner trotz ihres kommerziellen Backgrounds für wichtig für die heimische Billardszene. Denn: „Wenn es die nicht gäbe, sähe es traurig aus.“ Vom Aussterben des Altwiener Billardcafés will Weingartner aber nicht sprechen: „Ein paar werden schon übrig bleiben.“

BEST OF VIENNA 2/2010 (Essen & Trinken)
Im Billard Museum von Heinrich Weingartner sieht man von originalen Kugeln aus Elfenbein bis hin zu einer russischen Billardvariante alles rund ums Queue. Besichtigung gegen Voranmeldung. Im Billard-Fachgeschäft am Neubaugürtel 11 im 15. Bezirk bietet er neben professioneller Ausrüstung für den Billard-Sport auch Montage und Reparaturarbeiten an.

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