BEST OF VIENNA – Tipps

Dschungel Wien

Museumsplatz 1
1070 Wien

Telefon: 522 07 20-20
Web: www.dschungelwien.at

BEST OF VIENNA 1/2012 (Kultur)
Bretter, die die Welt bedeuten
Nicht zu übersehen: Wiens postmigrantische Theaterszene
Viele sagen: Das wirklich zeitgenössische Theater findet nicht an der Burg, sondern in den Off-Theatern und Mittelbühnen Wiens statt. Da ist was dran, auch wenn man die großen Bühnen (Burgtheater, Akademietheater, Volkstheater, Josefstadt) nicht gegen die kleineren ausspielen sollte. Manche Aufführungen im Kasino, der “Experimentalbühne” der Burg (z. B. “Perikles”), sind aufregender als das, was so manche Off-Bühne versucht.
Einen Trend haben die Großbühnen allerdings verschlafen: das “postmigrantische Theater”. Die gesellschaftliche Realität von Migranten in Österreich endlich auf die Bühne zu bringen. Und nicht als etwas Exotisches bzw. Fremdes “ausstellt”. Dazu gehört auch, dass Schauspieler mit türkischem Hintergrund nicht immer nur den “türkischen Gastarbeiter” spielen.
Zu diesem Thema gab es zuletzt eine interessante Reihe in der Garage X: “Pimp my Integration”. Sie wurde mitkurartiert von Asli Kislal, der Leiterin der frei flottierenden Wiener Theater- und Kunsttruppe “das kunst”. Kislal ist mit 19 Jahren aus der Türkei nach Österreich gekommen. “Als Schauspielerin wurde ich auf die Türkin festgelegt”, sagt sie. Und als “Türkin” kann man “natürlich” nicht das Gretchen spielen. Oder die Julia. Seit sieben Jahren leitet Asli Kislal das kunst. Kislals Anliegen ist es, die “Diversität” der österreichischen Gesellschaft auf die Bühne zu bringen. “Unsere Gesellschaft hat sich verändert,” sagt sie. “Wir leben längst in einer postmigrantischen Realität, auch wenn dies das Publikum in der Josefstadt noch nicht wissen will.”
Aktuell leitet Asli Kislal zwei Theaterprojekte im Rahmen von “Macht | Schule | Theater”. Sie zeigt Schülerinnen und Schülern, wie sie ihren Zorn durch Theaterspielen ausdrücken können. Aus so etwas sind schon erfolgreiche Inszenierungen wie “Insel X” hervorgegangen, das 2011 im Dschungel aufgeführt wurde. Aktuell unterstützt das kunst auch ein Straßentheaterprojekt aus Madrid: “StreetlifeMAD”. Junge Künstler zeigen eine wilde Mischung aus Breakdance, Flamenco und Percussion. Damit waren sie schon in Salzburg und Klagenfurt unterwegs – nur in Wien hat sich mangels finanzieller Unterstützung noch keine Zusammenarbeit ergeben. Für den Herbst/Winter plant das kunst eine neue Theaterproduktion in Wien: Shakespeares “Othello”. Man darf annehmen, in einer postmigrantischen Interpretation.

BEST OF VIENNA 1/2010 (Kultur)
Schönes rund ums Kind“ verspricht Heidi Fußgänger in ihrem Café Kinderzeit. Das Lokal ist mehr als ein Ort, wo Eltern einen Caffè Latte trinken können, ohne sich für das kreischende Kleinkind genieren zu müssen. Fußgänger verkauft hier auch Kindermode – Bio natürlich. Und allerlei Kleinigkeiten, bei denen man nicht widerstehen kann. Zum Beispiel Schnullerketten mit Filzblumen, „Super-Mama“-Anstecker und getupfte Gummistiefel. Das Café selbst ist klein und nach skandinavischem Stil eingerichtet: weiße Tischchen, helle, bunt gefüllte Regale und eine schlichte Kaffeemaschine bei der Kassa. Fußgänger ist studierte Psychologin aus Frankfurt. 2007 hat sie ihr Kindercafé im siebten Bezirk eröffnet. Dort residierte sie bis zum Sommer 2008. Dann wurde es eng, die Stimmung kippte: „Ist nicht so viel los, spricht sich das rum. Dann kommen plötzlich ganz viele und dann heißt es: Da ist viel zu viel los, dann kommt plötzlich keiner mehr“, resümiert Fußgänger. Daher hat sie jetzt auch einen Extra-Spielraum eingerichtet, der für private Treffs ab fünf Kinder reserviert werden kann. Zum offenen Krabbel-Café sind jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr alle eingeladen. Für zwei Euro die Stunde darf das Kind nach Belieben die Spielzeugkisten umleeren und durch den Raum toben. Bis Mai 2009 gab es neben dem Kinderzeit und dem Deli Dschungel Café – das trotz einiger Mankos immer voll ist – ein weiteres Kindercafé in Wien. Das small talk Kidscafé auf der Mariahilfer Straße musste nach zwei Jahren schließen. Die Besitzerinnen hatten sich übernommen. Doch das schreckt Karl Rosam und Bojan Nitric nicht ab. Vor einigen Monaten haben die beiden ihr Kindercafé in der Meidlinger Hauptstraße aufgesperrt. Während Rosam das praktische Know-how besitzt – er ist Vater von bald drei Söhnen und Steuerberater –, hat Nitric als 27-jähriger BWL-Student wenig Klientel-Erfahrung, aber dafür die Idee geboren. Denn in seinem Heimatland Bosnien sind Kindercafés erfolgreiche Lokale. Warum sollte das nicht auch in Wien der Fall sein? „Es ist ein knappes, saisonales Geschäft. Im Sommer sind die Eltern mit den Kindern draußen. Wien hat so viel zu bieten, wenn das Wetter schön ist“, sagt Rosam. Trotzdem sitzen die beiden Männer in ihrer Milch-Bar und schenken den Gästen Kaffee mit wahlweise laktosefreier Milch ein. Es gibt einen Bällepool mit Rutsche, eine kleine Küche mit Mini-Backofen, ein Holzhäuschen und eine Gitarre. Auch für die ganz Kleinen gibt es Spielsachen. Wer mit einem Kind im Spielalter kommt – „Säuglinge natürlich ausgenommen“ –, bezahlt zwei Euro Spielbeitrag. Dafür kann mitgebrachtes Essen für die Kleinen auch im Lokal ausgepackt und verspeist werden. Für die Erwachsenen und älteren Kinder gibt es neben Kaffeespezialitäten kleine Snacks wie Toasts, Baguettes und Torten. In kleinen Plastiksäckchen verkaufen Nitric und Rosam auch Hirsebällchen und Maisstangerln – eine Köstlichkeit für sabbernde, zahnende Kleinkindermünder. Mit ihrem Lokal wollen Karl Rosam und Bojan Nitric eine herzliche Umgebung bieten, in denen sich sowohl Eltern als auch Kinder wohlfühlen können. In Wien ist das (leider) eine Seltenheit.

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