Einmal Kunst, bitte! Wie pimpst du deine Wohnung?

Das Weihnachtsgeld in Kunst investieren? Zu elitär, teuer und kompliziert? Muss nicht sein. Hier gibt’s Hochwertiges, das trotzdem erschwinglich ist

von Amira Ben Saoud | aus BEST OF VIENNA 2/2017

Max Siedentopf verkleidet seine Objekte und fotografiert sie dann. Große Rennwagen/Bastel-Fotografie! (Foto: Max Siedentopf)

Die gute Nachricht zuerst: Man braucht weder einen Kunstgeschichteabschluss noch reiche Eltern, um Kunst zu kaufen. Sich vom eigenen Geschmack leiten zu lassen, ohne erst mal große Rücksicht auf Wertsteigerung oder Prestige zu nehmen, ist auch nicht verboten. Etwas schwieriger ist es, das für sich Richtige zu finden – eine grundsätzliche Abneigung gegen Recherche sollte man also vielleicht nicht mitbringen. Wer gerne flaniert, mit visueller Überforderung umgehen kann und Konversation grundsätzlich okay findet, der sollte sich auf den einschlägigen Messen und Ausstellungen wie der Vienna Contemporary, Photo Vienna oder der Parallel Vienna sowie bei den öffentlichen Rundgängen der Kunstakademien umtun und dort mit KünstlerInnen und GaleristInnen ins Gespräch kommen. Auch Initiativen wie der von Galeristin Nathalie Halgand mitinitiierte „Young Collectors Circle“, bei dem in Gruppen verschiedene Galerien besucht werden, versuchen einen niederschwelligeren Zugang zur Kunstwelt zu ermöglichen. Wer sich langsam herantasten will oder einfach schreckliche Angst vor Unikaten hat, ist sicherlich mit dem Kauf von kleinen Editionen gut beraten: Durch die etwas größere Stückzahl einer Arbeit sinkt der Preis. Aber auch für Leute, die vielleicht nur 50 Euro übrig und eine weiße Wand haben, ist IKEA nicht der einzige Ausweg.

OTAMP

Eine großartige Initiative ist „one thousand and more pictures“, die Prints aufstrebender österreichischer (Analog-)FotografInnen unter die Leute bringt und Spiele-Charakter hat: Man weiß zwar vorab, welche KünstlerInnen dabei sein werden – kann sich also mit dem Stil vertraut machen –, die Motive darf man aber erst nach der Zahlung aussuchen. Bei jeder OTAMP-Ausgabe nehmen andere von Initiator Paul Pibernig ausgewählte FotografInnen teil – es wird also nicht fad. Abgewickelt wird die Auswahl online, die Abholung der Arbeiten erfolgt dann aber im Rahmen eines gemütlichen Get-togethers. Ab ca. 20 Euro ist man bereits dabei.

Verkaufsstart: 14. November, Abholung der Arbeiten 15. De zember mit Party in der Pizzeria Randale (ehem. Transporter Bar, Kettenbrückengasse 1, 1050)

facebook.com/HellOTAMP/


Fotografie am Brillantengrund

Wer gleich bei Fotografie bleiben will, sollte sich die alljährliche „Fotografie am Brillantengrund“-Ausstellung, die dieses Jahr von niemand Geringerem als Daniel Gebhart de Koekkoek kuratiert wird, nicht entgehen lassen. Letztes Jahr waren dort Arbeiten von heimischen – o. k., hier passt das Wort einmal – Shootingstars wie Stefanie Mooshammer oder Thomas Albdorf zu erwerben, dieses Jahr wird es mit Namen wie Max Siedentopf, der gerne mal Autos auf der Straße mit Pappe pimpt, internationaler und noch renommierter. Sowohl großformatige, unlimitierte Arbeiten als auch kleinformatige, limitierte sorgen dafür, dass das Ganze leistbar bleibt. Wer am Brillantengrund zugreift, kann jedenfalls nichts falsch machen.

Bandgasse 4, 1070
brillantengrund.com

Start: 14. Dezember, Hotel am Brillantengrund,


StreetArt: Jan Arnold Gallery, Improper Walls, Oxymoron Gallery

Wer Streetart haben will, kann in Wien nicht nur auf der Straße fündig werden:

Die Jan Arnold Gallery im MQ hat zum Beispiel nicht nur ein Residency-Programm, das jeweils mit Ausstellungen beschlossen wird, sondern bietet mit LEAP – Limited Edition Art Prints auch die Möglichkeit an, online Siebdrucke um die 100 Euro in limitierter Auflage zu kaufen. Auch vom nächsten resident artist, dem Spanier Gripface, wird es eine Edition geben; wer’s regionaler will, findet bei LEAP auch von österreichischen Künstlern Arbeiten. Auch die guten Menschen von Improper Walls haben seit September einen Online-Shop, in dem nationale (Perk Up, nita. etc.) und internationale KünstlerInnen (Barbara Moura, Andrey Kasay etc.) vertreten sind. Wer den Ausflug in die schöne Reindorfgasse wagt, kann natürlich vor Ort Arbeiten erstehen. Ein guter Zeitpunkt für einen Besuch wäre zum Beispiel der Pop-up-Print & -Zine-Shop vom Minimal- und Abstract-Screenprinting-Dream-Team Gfeller + Hellsgård im Dezember. Auch die Oxymoron Gallery in der Burggasse mit Fokus Grafik und Illustration, urbane Kunst und Graffiti darf in dieser Aufzählung nicht fehlen.

Jan Arnold Gallery, Museumsplatz 1, 1070
Eröffnung Gripface 2. 11. 2017
leapartprints.com

Improper Walls, Reindorfgasse 42, 1150 Wien
Gfeller + Hellsgård Print & Zine Shop, 6.–20. Dezember
improperwalls.com/online-print-shop/

Oxymoron Gallery, Burggasse 98, 1070
oxymoron-galerie.at


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