Alles muß rein

Wo zahlt sich „All You Can Eat“ aus?

von Peter Rüscher | aus BEST OF VIENNA 2/2017

Illustration: Michael Hacker

„Buffetessen“. Es drängen sich unweigerlich Bilder auf von Firmenfeiern in der Sandwichposition zwischen den beiden dienstältesten Schabracken. Von Minibratwürsteln auf Kreta. Von einer Unendlichkeit an halbvollen Tellern, um die sich niemand mehr kümmert. Einen Großteil der sieben Todsünden kann man an so einem Abend ohne größere Anstrengung begehen. Die Fleisch gewordene Version von geilem, feuchtem, endlosem, aber auch orgasmuslosem Sex.

Es stellt sich die Frage: Geht das nicht auch anders? Wir haben das anhand von Wiener „All You Can Eat“-Lokalen getestet.

La Koliba

Da wäre einmal La Koliba, altjugoslawisch so viel wie „Holzhäuschen“, im 10. Bezirk. Schon beim Betreten des Lokals wird klar – ein erfrischender Urlaub von der von Sojamilch und Chiasamen heimgesuchten Leopoldstadt. Angenehm unerheblich die Einrichtung: eine Fünfliterflasche Sekt, eine Kanone aus Holz, ein – im Gebäudeinneren grundsätzlich eher aufgabenloses – Vordach über der Bar.

Einsilbig, ehrlich, direkt. Getrunken wird Bier serbischer Art – Lav. All you can eat. All you need to drink is Lav. Der Proto-Hipster, für den dieses Lokal durchaus interessant sein könnte, mag das Craft Beer für fünfeinhalb Euro vermissen. Wer auf dunkles, mit Beef Tatar versetztes und von bulgarischen Steineseln nach Favoriten gekarrtes India Pale Ale verzichten kann, für den tut es das Lav allemal.

In lokaler Manier wird das erste Bier zur Hälfte geleert, bevor man sich dem Essen widmet. Die Speisekarte ist wenig selbsterklärend. Es gibt insgesamt 14 Menüs – fünf heißen
„Menü 1“, acht „Menü 2“. Die Gerichte tragen klingende Namen wie „Kalb unter der Asche“, aber auch – plakativer – „Fleisch am Spieß“. Dies sind, wie sich allerdings herausstellt, À-la-carte-Gerichte. Das „All You Can Eat“-Buffet steht unauffällig im Durchgang zum Raucherbereich des Lokals bereit und kann für kompetitive 6,60 Euro geordert werden.

Ein Foodstylist (es ist völlig in Ordnung, bei Erwähnung dieses Wortes zu kichern) war im Koliba nicht am Werk. Das Essen ist einfach, aber tadellos. Worum es sich dabei jeweils handelt, ist nicht wirklich erläutert. Klar ist, die ersten beiden Töpfe beinhalten Suppe. So weit, so fettig. Rindfleisch im einen, Fronttallappen vom Balkanschwein im anderen Topf die wahrscheinlichen Einlagen. Ein Hybrid aus Bohnensuppe und Kartoffelgulasch befindet sich in einem weiteren Topf. Überhaupt wird alles in Töpfen bereitgestellt. So auch die Krautroulade, die man beim Heben des Deckels nicht vermutet hätte. Mein persönliches Highlight, weil so landestypisch und eigentlich unfehlbar. Weiters noch zu haben: zwiebelschwangerer Salat und gegrillte Paprika. Undurchschaubar: ein Haufen ungeschnittener, roher Frühlingszwiebeln. Den echten Bobo werden sie dennoch nicht unberührt lassen (möglicherweise gewachsen auf einer Dachterasse mitten in Wien-Neubau!). Als Nachspeise ist unter anderem Baklava zu haben.

Erfreulicherweise wurde der zweifellos bestehenden Versuchung widerstanden, Fernsehbildschirme aufzuhängen. Stattdessen steht plötzlich eine Kapelle musizierenderweise im Raucherbereich. Sie spielt sich zwar nicht bis zur totalen Erschöpfung – nach zwei Liedern ist wieder Schluss ,– allerdings betritt sie nach einiger Zeit nochmals das Raucherparkett (für zwei weitere Darbietungen).

Der Proto-Hipster, für den dieses Lokal durchaus interessant sein könnte, mag das Craft Beer für fünfeinhalb Euro vermissen.

La Koliba
Laxenburger Straße 6, 1100
Täglich von 11 bis 23 Uhr
la-koliba.at


Jacky’s Buffet

Wer nach dem wirklich echten Buffeterlebnis sucht, dem sei Jacky’s Buffet in der Lugner City empfohlen. Durch die Drehtür am Gürtel tritt man in das Reich der totalen Beliebigkeit ein, fährt zwei Stockwerke hoch und sieht sich umgeben von einem „All You Can Eat“-Overkill. Eingezwickt zwischen zwei asiatischen Buffets ist Jacky’s eines der wenigen in Wien, die klassisch österreichische Speisen anbieten. Das mag seinen Grund haben: Tafelspitze und gebackene Schnitzel von
der Sau, steirische Backhendlsalate oder Kasnocken gewinnen durch stundenlanges Warmhalten bzw. Garen im
eigenen Saft nicht unbedingt an Qualität. Im Bewusstsein dessen kommt man bei Jacky’s aber auf seine Kosten, jedenfalls preisleistungstechnisch.

Man löhnt 8 Euro 90 und steht nicht auf, bevor der Körper bis in den letzten Griffel des Zwölffingerdarms gefüllt ist. Keine großen Überraschungen – what you see is what you get: diverse Panierware, Rindsgulasch, Tafelspitz, übrige Rippen, Grillgemüse, frittierte Calamari, Spätzle, Kaiserschmarren.

Mit ruhiger und gediegener Atmosphäre rechnet man ja in der Lugner City ohnehin nicht. Der Tumult ist aber dennoch beeindruckend. Wer nach vollbrachter Völlerei noch Streit sucht, braucht von hier nicht weit zu gehen.

Man löhnt 8 Euro 90 und steht nicht auf, bevor der Körper bis in den letzten Griffel des Zwölffingerdarms gefüllt ist.

Jacky’s Buffet
Gablenzgasse 1–3, 1150 (Lugner City)
So–Do von 11 bis 0, Fr und Sa von 11 bis 2 Uhr


Ebi 1

Gehobener, aber dennoch recht locker geht es im Ebi 1 zu. Mittlerweile eine Kette, hat es das Ebi von Floridsdorf über das Wasser bis in die Teinfaltstraße geschafft. Breitbandsushi und Tepanlawine stehen hier am Programm. Besonderen Anreiz scheint für viele Besucher das Konzept zu schaffen: Auf jedem Tisch liegt ein Tablet bereit, mit dem die einzelnen Speisen (von der Portionierung her ähnlich Tapas) herbeigeordert werden können. Als Nebeneffekt wird die – zumindest während des Essens teilweise noch als Unart angesehene – Sucht nach Streich- und Wischgesten befriedigt. Das System funktioniert grundsätzlich gut, solange man nicht zu viel herumdrückt an dem Ding und damit alles durcheinanderbringt. Die Lieferdauer der Speisen verlängert sich im Laufe des Abends.

Vor allem zu Beginn ist man verleitet, im Angesicht der Dutzende Speisen umfassenden Karte ordentlich zuzulangen, wodurch man wenige Minuten später mit haufenweise rohem Meeresgetier konfrontiert ist. An Sushi und Maki gibt es definitiv nichts auszusetzen – der Fisch ist frisch, die Auswahl enorm. Ein Wisch bringt einen auf die nächste Seite, wo die warmen Tepan-Gerichte zu finden sind. Auch hier eine überaus große Auswahl – Torpedogarnelen, Lachs- und Rindsteaks, Gyoza. Frittiert wird viel, die dominierende Sauce stammt eindeutig aus dem für alle Ewigkeit bestimmten Kübel,
aus dem scheinbar alle japanischen und chinesischen Restaurants ihre Saucen beziehen. Nachspeisen sind vergleichsweise nur wenige verfügbar, probieren sollte man jedenfalls das Matcha Mousse.

Als einziges Bier vom Fass wird unergründlicherweise Heineken ausgeschenkt. Weine gibt es rote und weiße (auch rosafarbene). Die erhältlichen Schnäpse sind aber wohl eher aromatisierter Abflussreiniger. Dauerbeschallt wird man von asiatischer Erotikmassagenmusik. So harmlos wie unnötig.

Ist das Herumwerkeln am Tablet andernorts noch als Unart verpönt, kommt man ohne Wischgesten im Ebi gar nicht zum Essen.

Ebi 1
Teinfaltstraße 9, 1010
Täglich von 11 bis 22 Uhr
ebi-vienna.at


ANZEIGE