Labelschau

4 Labels, die man kennen sollte

von Johannes Scheutz | aus BEST OF VIENNA 1/2017

Foto: NAP

Werkkarte

Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir unser Werkzeug jedes zweite Mal nicht finden, wenn wir’s brauchen (konservative Schätzung), dann kann man die Erfindung von Andrea Gintner und Adnan Nakicevic gar nicht hoch genug preisen: Flaschenöffner, Sechskantschlüssel, Speichenspanner, Schraubenzieher, Schneidehaken und vieles mehr sind in einer Werkkarte (Modell: „Bike“) enthalten. Und zwar – Achtung – alles in der Größe einer Bankomatkarte. Ich meine, es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich mit meiner echten Bankomatkarte nicht mal Geld abheben, und jetzt ersetzt ein Ding derselben Größe eine ganze Werkzeugkiste!

Die Werkkarte um 15 Euro hilft bei Alltäglichkeiten (Mini-geldbörse, Chip für den Einkaufswagen – Modell Urban), bei Special-Interest-Angelegenheiten (Portionierungshilfe für Spaghetti) und bei Problemen, an die du erst denkst, wenn es schon zu spät ist (Zahnbürstenhalter und Kleiderhaken – Modell Camping). Andrea und Adnan wurden bereits mit dem Edison Innovationspreis ausgezeichnet, für die Werkkarte mit dem Born Global Champion 2016.

Natürlich kann man auch eine Geldtasche verlieren. Aber dann ist das Werkzeug eh nicht mehr dein größtes Problem.

Erhältlich bei:

Dock 7
Kirchengasse 43, 1070 Wien

Die Werkbank
Breite Gasse 1, 1070 Wien

Wier
Neubaugürtel 4, 1070

oder zum bestellen unter werkkarte.com, Lieferzeit 10 Tage, Preis: 15 Euro

Verdandy

Folgendes Problem: Enge Hosen sind elegant, aber eng. Jogginghosen dafür sind bequem, aber leider, nun ja, Jogginghosen eben. Manuel Rauner und Martin Pichler hatten für dieses Problem eine kleine Idee mit großer Wirkung: Sie haben für den Stoff ihrer Jeans eine Mischung aus Baumwolle und Elas-than verwendet. Herausgekommen ist eine Art Joggingjeans in Christian-Kern-Optik, sprich: Sie ist bequem, sieht aber dennoch verschärft aus.

Nach einigen Jahren als Models haben Martin und Manuel aus ihren Erfahrungen mit allerhand Hosenmodellen schließlich die beste aller möglichen Hosen erschaffen:

Ultimative Bequemlichkeit trifft auf klassischen Schick. Sprich: Das Zeug von Verdandy ist dank Stretchstoff für Net-flix-Abende gleich gut geeignet wie fürs stilvolle Ausgehen. Außerdem: Hinter gutem Stil darf sich keine unbequeme Wahrheit verstecken: Das Material, mit dem die beiden arbeiten, ist ausschließlich in Europa zu fairen Konditionen hergestellte Ware. Kaufen kann man die Hosen im Onlineshop der beiden (verdandy.at), ausprobieren über das nicht unpraktische Portal Trendzeit. Hier kann man das gewünschte Modell in den Shop liefern lassen, dort anprobieren und dann erst entscheiden, ob die Hose tatsächlich so gut ist, wie wir es sagen (Sie ist es. It’s true).

Die Hose ist vielleicht nicht ganz billig (189 Euro). Aber andererseits, nur so entgehen wir dem alten Fluch der weiten Hose: Was nützt dir der beste Arsch, wenn man ihn unter deiner Hose nicht mal erahnen kann?

Erhältlich bei:

Trendzeit
Margaretenstraße 79, 1050 Wien, Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr

Strictly Herrmann
Taborstraße 5, 1020 Wien, Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–17 Uhr

trueyou
Johannesgasse 17, 1010 Wien, Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr

oder auf verdandy.com, Preis: ca. 180 Euro

NAP

Eine Überraschung, ein Fluch, eine Anrede, ein Schimpfwort, Erstaunen, Verzweiflung – und ein Pullover-Motiv: „Oida“ ist ein ziemlich wunderbares Wort. Und niemand hat das besser erkannt als Martin Pinter, der Mann hinter dem Label „Nachtaktives Pack“. 2010 beginnt er, T-Shirts zu drucken, mit, wie er selber sagt, keiner Ahnung, wie das eigentlich geht. Wie das ausgesehen hat, kann man übrigens bis heute auf der Homepage anschauen. Dann weiß man auch ungefähr, wie viel in den letzten Jahren bei NAP passiert sein muss. Denn mittlerweile schauen die Sachen richtig gut aus. Gleichgeblieben ist das Konzept: die Weisheiten, die der Wiener Dialekt zur Lebensbewältigung bereithät, als Motive für Kleidungsstücke herzunehmen. Über die Jahre ist eine Art moderner Bauernkalender für junge Wiener herausgekommen. Statt Kalenderblättern bedruckt NAP halt Leiberl und Taschen, statt moralinsauren „Weisheiten“ Wiener Schmäh respektive Grant. Dabei behandelt er die Themen Liebe („Wer schmust ist fix zsamm“), Kommunikation („Bitte Gusch“) und ganz allgemein das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Umwelt („Danke für nix“). Wer in New York war, kommt mit einem „I ♥ New York“-T-Shirt zurück. Wie schön wäre es, wenn alle Wien-BesucherInnen mit einem NAP-Stück heimkommen würden? Oida!

Gibt’s nur im Online-Shop nachtaktivespack.at, Preis: Pullover um 34,95 Euro, Versandkosten österreichweit 4 Euro

Sigh

Es wird der Tag kommen, an dem dir dein nächster Suppenteller aus der Hand fällt, auf den Boden knallt und zerbricht. Und das wird auch der Tag sein, an dem du auf sigh-illustration.com gehen solltest. Note to myself: Jetzt keinen Spruch mit Scherben und Glück machen. Andererseits: Die Teller, die Nadine Werjant auf der Homepage ihres Labels SIGH zum Verkauf anbietet, sind halt genau das: ein Glücksgriff.

Die Grafikerin kritzelt, wie man auf ihrer runderneuerten Homepage nachlesen kann, auf alles. Aber im Unterschied zu dem, was wir unter Kritzeln verstehen, sieht das, was sie zeichnet, auch noch großartig aus. Wer Katzen oder Wale oder Einhörner mag (jeder), wird mit den Motiven der Geschirrpalette zufrieden sein. Der Stil ist schlicht, aber besonders, manchmal witzig, nie doof und immer schön. Eine Schildkröte am Teller (nur gezeichnet!) bedeutet auch Aufessen mit Mehrwert: Wenn unter deinen Broccoli die filigranen Zeichnungen auftauchen, zahlt sich der Preis von etwa 18 Euro pro Teller aus. Schließlich gilt der Spruch, dass das Auge mitisst, in Wirklichkeit speziell fürs Geschirr. Neben Tellern und Tassen gibt es bei SIGH auch Schmuck (Anhänger und Ketten), T-Shirts oder Postkarten. Erhältlich sind Werjants Produkte in ihrem Online-Shop, einigen Geschäften und auf den Märkten der üblichen Verdächtigen (Fesch).

WIER
Neubaugürtel 4, 1070 Wien
oder unter sigh-illustration.com


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